Über die Bibliographia Cartographica


Die Verzeichnung des kartographischen Schrifttums basiert auf einer langen Tradition, doch sind die Bibliographien zeitlich verstreut erschienen und in diversen Publikationen enthalten. Die Anfänge liegen im ausgehenden 19. Jahrhundert, zunächst als unselbständige und unregelmäßige Anzeige der Fachliteratur und von kartographischen Produkten, die als Berichte im Geographischen Jahrbuch bis 1942 erschienen (Bearbeiter S. Günther, E. v. Hammer, H. Haack). Ebenfalls als unselbständige Bibliographie sind die Hinweise in der Abteilung Geographie und Kartographie der Jahresberichte des Literarischen Zentralblattes (1924 bis 1940) anzuführen, die schließlich in den beiden Jahrgängen des Jahrbuchs der Kartographie (1941 und 1942) fortgeführt wurden (Bearbeiter H. Praesent). Sie beschränkten sich dabei auf das deutschsprachige Schrifttum, dessen Anzeige aber kontinuierlich erfolgte.

Als erste selbständige Publikation, die darüber hinaus wiederum das internationale kartographische Schrifttum berücksichtigte, ist die Arbeit von H.-P. Kosack und K.-H. Meine zu betrachten, die für den Berichtszeitraum von 1943 bis 1954 die Verzeichnung übernahmen und es im Untertitel eine "bibliographische Übersicht" nannten. Während der Erstellung der als Band 4 der Kartographischen Schriftenreihe publizierten Bibliographie wurde bereits klar, dass die Verzeichnung des internationalen kartographischen Schrifttums auf einer soliden, kooperativen Basis aufgebaut sein muss. Folglich wurde 1956 der Arbeitskreis Dokumentation und Lichtbildwesen unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Kartographie gegründet, der sofort große internationale Unterstützung erhielt. 1957 erfolgte die Umbenennung zum Arbeitskreis Bibliographie des kartographischen Schrifttums in der Erkenntnis, dass eine inhaltliche Auswertung nicht zu leisten sei. Es musste vielmehr auch eine sinnvolle Abgrenzung gegenüber den verwandten Disziplinen Geodäsie, Photogrammetrie oder Geographie vorgenommen werden. Die Verzeichnung der Karten, über die im Geographischen Jahrbuch noch zusammen mit dem Schrifttum berichtet wurde, war dagegen der Bibliographie Cartographique Internationale überlassen. Die nun in Angriff genommene Arbeit unter Führung von K.-H. Meine wurde insbesondere durch die Bundesanstalt für Landeskunde redaktionell und verlegerisch befördert und durch Meldungen von Fachkollegen aus dem Ausland auf internationales Niveau gehoben. Als Ergebnis konnte mit dem regelmäßigen Erscheinen der Bibliotheca Cartographica ab 1957 eine selbständige, fortlaufende, internationale Bibliographie des kartographischen Schrifttums vorgelegt werden. Die zunächst dreisprachige Inhaltsübersicht (deutsch, englisch, französisch) wurde im Laufe der Zeit noch um eine russische erweitert. Mit Heft 29/30 beendete die Bibliotheca Cartographica 1972 ihr Erscheinen, doch konnte eine inhaltliche Fortsetzung mit der Herausgabe der in Bibliographia Cartographica umbenannten Berichterstattung realisiert werden. Die Deutsche Gesellschaft für Kartographie als Träger des Arbeitskreises war durch äußere Umstände zu einem Wechsel in der Herausgeberschaft gezwungen, der zudem einen Wechsel in der redaktionellen Bearbeitung und in der verlegerischen Betreuung beinhaltete.

Die enge Verbindung der Bibliotheca Cartographica zur Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz war seit ihren Anfängen durch die Mitarbeit des Leiters der Kartenabteilung H. Kramm in der Schriftleitung gegeben. Mit dem Übergang der Leitung des Arbeitskreises Bibliographie an dessen Nachfolger L. Zögner sah sich die Bibliothek zur Unterstützung verpflichtet, so dass 1974 das erste Heft der Bibliographia Cartographica in bewährter Manier unter den neuen Bedingungen herausgegeben wurde, wobei die Umbenennung mit dem Wechsel zum Saur-Verlag verlagsrechtlichen Vorgaben geschuldet war, das Kürzel "BC" jedoch Bestand hatte. Seitdem wird die Bibliographia Cartographica an der Staatsbibliothek zu Berlin redaktionell durch die Mitarbeiter der Kartenabteilung erstellt. Als wichtigste Voraussetzung dient hierfür der Sammelauftrag durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft an die Bibliothek, das international kartographische Schrifttum zu erwerben. Doch nach wie vor liefern Fachkollegen aus verschiedenen Ländern zusätzliche Hinweise an die Redaktion.

Grundlegende Änderungen im Aufbau der Bibliographie ergaben sich erst durch die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung ab Band 16. Die Entwicklungen in der Kartographie, insbesondere im Bereich der rechnergestützten Kartenherstellung, machten die Überarbeitung der Systematik notwendig. Die Zuordnung zu nur einer Systemstelle wurde zugunsten einer breiteren Streuung aufgegeben, da manche Beiträge mehrere Aspekte der Systematik berührten, so dass für eine gute Nutzbarkeit Mehrfacheintragungen vorgenommen wurden. Das Erscheinen neuer Zeitschriften und die Überprüfung der Relevanz der bisher ausgewerteten Zeitschriften führten zu einer neuen Gewichtung mit verstärkter Hinwendung zur Kartographie.


 
Letzte Änderung: 23.03.2014
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